
Der Rausch der Welt
Kurz nach Kriegsende verschaffte mir mein Onkel eine Stelle als Hotelpage in einem Hotel im Zentrum von Madrid. Zwei lange Jahre lang hatte ich mich in einem feuchten, dunklen Keller versteckt gehalten und den Hunger mit dem Schatten der Angst betäubt. Ich wurde in ein sonnendurchflutetes Büro gebeten, wo man mich über meine Aufgaben informierte. Der Lohn war gering, aber drei reichhaltige Mahlzeiten waren inbegriffen.
Von all den Kunden, denen ich die Koffer trug, ist mir Azorín, der berühmte Schriftsteller, besonders in Erinnerung geblieben. Einmal bot er mir als Trinkgeld ein Glas Brandy aus Jerez an, mit diesem Trinkspruch: „Auf das Theater!“ Worauf ich antwortete, während wir die Gläser aneinander klirren ließen: „Auf die verlorenen Sachen!“ Und wir tranken den Wahnsinn der Welt, ohne mit der Wimper zu zucken. Später erfuhr ich, dass die Premiere seines Stücks „Brandy, mucho brandy“ vor Jahren ein völliger Reinfall gewesen war.
Joan Graell Piqué